An dem derzeitigen RCS-Hauptsitz an der Capeller Straße in Werne gibt es keine weitere Ausbaumöglichkeit. Daher plant das Recyclingunternehmen in nördlicher Richtung zu expandieren.
Werne. Die geplante Erweiterung des Recycling- und Entsorgungsunternehmens RCS in Werne nimmt weiter Gestalt an. Am 25. März 2025 wurde im Stadtentwicklungsausschuss der aktuelle Stand der Planung vorgestellt.
Für die RCS-Gruppe wurde ein wichtiger Meilenstein erreicht: Die Offenlage des Bebauungs- und Flächennutzungsplans wurde beschlossen. Damit können die Bürger in den kommenden Wochen die Pläne einsehen und sich informieren. Anschließend sind noch Anpassungen im Bebauungs- und Flächennutzungsplan erforderlich, da das Gebiet derzeit als landwirtschaftliche Fläche ausgewiesen ist.
Nachhaltige Expansion für eine bessere Kreislaufwirtschaft
Die RCS-Gruppe hat sich auf das Recycling von Abfällen aus dem Pfandsystem spezialisiert. Die Nachfrage nach recyceltem PET steigt kontinuierlich, und das Unternehmen möchte durch den Ausbau seiner Kapazitäten einen noch größeren Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leisten.
„Dank unserer hochwertigen Recyclingprozesse wird es möglich, Materialien nahezu vollständig wiederzuverwerten und wertvolle Rohstoffe zu schonen“, erklärte Adelheid Hauschopp-Francke aus dem Geschäftsführer-Trio der RCS-Gruppe.
Um eine entsprechende Qualität des Materials aus ehemaligen Abfällen zu erreichen, sind aufwendige Verfahren nötig. Die dazugehörigen Produktionseinheiten benötigen Platz. Für die Herstellung von lebensmitteltauglichem Granulat vergrößerte sich die RCS-Gruppe bereits im Jahr 2020 um einen zweiten Standort in Werne. Direkt neben dem derzeitigen Hauptsitz des Unternehmens soll nun ein weiterer Standort entstehen. Das Gelände befindet sich etwa drei Kilometer nordwestlich des Stadtkerns von Werne und gehört RCS bereits. Auf der 6,5 Hektar großen Fläche sind Logistik, Verwaltung, Produktion sowie Wartungs- und Serviceeinrichtungen geplant.
Einbindung der Nachbarn
„Frühzeitig haben wir das Gespräch mit den Anwohnern gesucht. Ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis ist uns wichtig“, betonte die Geschäftsführerin. Von Beginn an habe RCS großen Wert darauf gelegt, die Anwohner transparent über das Projekt zu informieren und offene Fragen zu klären.
Im September 2024 wurde gemeinsam mit der Stadt ein Informationsabend organisiert, bei dem die Planungen vorgestellt wurden. Rund 80 Bürgerinnen und Bürger hatten dabei die Möglichkeit, sich umfassend zu informieren und Anregungen einzubringen. Bereits einen Monat zuvor hatte sich die RCS-Geschäftsführerin die Zeit genommen, mit den Nachbarn persönlich über ihr Vorhaben zu sprechen. Insgesamt fünf Termine – pro Straßenzug einer – organisierte das Unternehmen, um die Anwohner von Anfang an mit einzubeziehen.
Verkehrsmaßnahmen für eine sichere Infrastruktur
Um den Verkehrsfluss sicherer und effizienter zu gestalten, wird eine Geschwindigkeitsreduzierung von 100 auf 70 km/h umgesetzt,. „Hier haben wir schon eine erste Zusage vom Kreis“, erklärte Wernes Baudezernent Ralf Bülte während der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Planung und Wirtschaftsförderung. Die Stadt wird den Verkehr weiterhin beobachten, um bei Bedarf zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen. Die Fahrbahn könnte weiter verbreitert werden außerdem könnten zusätzliche Ausweichstellen geschaffen werden.
Schallschutz und Umweltmaßnahmen
Auch ökologische Aspekte werden konsequent berücksichtigt. Für die Versiegelung der Fläche werden 15.831 Biotopwertpunkte ausgeglichen, indem neue Grünflächen und ökologische Aufwertungen geschaffen werden. Der Ausgleich erfolgt in unmittelbarer Nachbarschaft.
„Es ist gut, wenn man am Ort des Eingriffs auch den Ausgleich hinbekommt“, so Bülte. Es seien drei Ausgleichspunkte in der Nähe geplant. Vorgesehen sind beispielsweise Wiesen und Hecken sowie weitere ökologische Maßnahmen, die die Bilanz auf null bringen sollen.
Ein verantwortungsvoller Umgang mit Umwelt- und Schallschutz spiele bei RCS eine zentrale Rolle, heißt es in den Veröffentlichungen des Unternehmens. Ohne behördliche Anordnung hat das Unternehmen bereits eine Lärmschutzwand errichten lassen, um für eine ruhige Umgebung zu sorgen. Des Weiteren plant das Unternehmen neben einer PV-Anlage auch eine üppige Geländebepflanzung, Dach- und Hallenwandbegrünung. Diese Maßnahmen sollen ebenfalls zum Umwelt- und Schallschutz beitragen, so die RCS-Gruppe.
„Unsere Aufbereitung ist auch noch umweltfreundlicher, als die Herstellung von neuem Primär-PET.“, führt die Geschäftsführerin weiter aus. In Zusammenarbeit mit dem Institut Fraunhofer UMSICHT hat das Unternehmen eine Berechnung für das Jahr 2023 erstellt. Diese vergleicht die Verbräuche der Neuherstellung mit dem Recycling von PET. Das Zertifikat bestätigt der RCS-Gruppe, dass sie pro Jahr 169.063 t CO2-Äquivalente Treibhausgasemissionen und 1.346.820 MWh Energiemenge einsparen. Hinzu kommt außerdem die Einsparung von 75.839 t fossilen Ressourcen. „Wir achten sehr auf den Einsatz von modernen Anlagen und legen großen Wert auf eine umweltschonende Produktion. Mit unserem modernen Maschinenpark verbrauchen wir 36 % weniger Energie als vergleichbare Technologien.“, ergänzt Hauschopp-Francke.
Ein zukunftsweisendes Projekt für Werne
Mit der Expansion schafft RCS nicht nur Arbeitsplätze, sondern stärkt auch die regionale Recyclingwirtschaft. Ab Anfang April soll der Bebauungs- und Flächennutzungsplan für die Dauer von 30 Tagen offengelegt werden. Die Entscheidung des Stadtrats soll noch vor der Sommerpause erfolgen.